Heute ist es soweit. Ich teile mit euch meine ersten beiden Kapitel meiner Monatsaufgabe „Schreib‘ mir eine Detektivgeschichte“.  Wie ich bereits letzte Woche in einem kleinen Update erklärt habe, habe ich mich damit etwas verspätet.
Aktuell bin ich in der Endphase und habe bereits 17 Seiten geschrieben. Es sollte eigentlich nicht so lang werden. Jedoch war mir das fast klar, da ich mich selten kurz fassen kann. Ich habe mir auch Rat von Freunden geholt und die Geschichte in meinem Kopf weiter ausgearbeitet, als meine Hand wieder nicht arbeiten wollte.
Nach kompletter Veröffentlichung des kleinen Krimis, werde ich noch ein Fazit schreiben, indem ich meine Entwicklung und alles drum herum noch ein bisschen erkläre. Ich habe auf jeden Fall festgestellt, dass das „ernste“ Schreiben mir nicht so richtig liegt. Mehr dazu gibt es dann im Fazit.
Bis dahin, wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen von meinem ersten Krimi. Und wenn ihr noch mehr lesen wollt, dann schaut mal bei Rina vorbei. Sie hat bei der Monatsaufgabe mitgemacht und sie hat es auch sehr gut gemeistert! Rina hat auf ihrem Blog vier Teile veröffentlicht.


Mord auf dem Weinberg

Kapitel 1

„Mutter, es reicht!“ kam es schrill aus dem Wohnzimmer der Familie Finelli. „Kind, ich bitte dich! Du bist die Einzige auf die ich mich verlassen kann!“ Der Streit zwischen Sarah und Vega Finelli war im ganzen Haus nicht zu überhören. „Vega, hör mir zu. Ich werde nicht jünger. Ich habe doch nicht mein ganzes Leben hart gearbeitet damit dein nutzloser Bruder mein Unternehmen an die Wand fährt.“ flehte Sarah ihre Tochter an.

Sarah Finelli kam vor vielen Jahren mit mäßigen Deutschkenntnissen in die Pfalz um ein altes Weingut wieder auf Vordermann zu bringen. Ihr damaliger Arbeitgeber, ein sehr alter Mann der keine Kinder hatte, überschrieb ihr das Weingut kurz vor seinem Ableben. Besser hätte es für Sarah nicht laufen können. Sie hat noch zu Lebzeiten des alten Mannes ein Prachtstück aus dem Anwesen gezaubert und der Wein ließ sich schnell überregional verkaufen. Nun war es soweit das ihre Marke auch internationale Kunden ansprach und sie über die Zukunft des Unternehmens nachdachte.

„Marcello tut alles was du willst. Wieso hälst du ihn für nutzlos? Er ist dein Sohn, verdammt! Er reißt sich den Allerwertesten für dich auf.“ versuchte Vega ihre Mutter zu überzeugen. Sie selbst war auch nicht sehr von dem unternehmerischen Talent ihres Bruders überzeugt. Aber er liebte das Weingut mehr als sie selbst. Ihre Passion war das Lehramt. Sie arbeitete in einer Grundschule im Tal und es gab nichts schöneres für sie. Vega konnte und wollte sich nicht für das Unternehmen entscheiden. Sie würde sich selbst verraten – davon war sie überzeugt.
„Pah! Bemühen nennst du das? Neulich habe ich ihn erwischt als er an die Kasse des Ladens ging um seiner Freundin irgendein teuren Mist zu kaufen.“ – „Welche Freundin?“ – „Die siebte dieses Jahr.“ – „Wir haben März…“ – „Ja genau! Das meine ich ja Vega. Wie soll ich so einen Schürzenjäger mein Unternehmen anvertrauen, wenn er nicht einmal Stabilität in sein Liebesleben hat?“ Vega warf sich müde in den Sessel und schüttelte kapitulierend mit dem Kopf. „Mutter, was ist denn mit Jan?“ versuchte sie  ihren Ehemann als andere Option anzubieten. „Jan? Pff… der hat dich doch nur wegen deinem Erbe geheiratet, welches du nicht einmal antreten willst!“ sie schaute zu ihrer Tochter und wollte noch etwas sagen, als es an der Tür klopfte.

„Ja?“ rief Sarah entnervt. Die Haushälterin betrat den Raum und lächelte schnippisch: „Meine Damen! Nun ist aber gut. Das Abendbrot ist angerichtet. Setzen Sie ihren Streit bitte danach fort oder lassen Sie es am besten ganz. Umarmen Sie sich und dann ab ins Esszimmer mit Ihnen!“ – „Ja Martha!“ grinsten beide im Chor. Martha war zwar zehn Jahre jünger als die Hausherrin, dennoch war sie die Maschine des Hauses. Nichts würde ohne sie funktionieren. Außerdem hatte Martha diese Ausstrahlung, die jeden dazu brachte das zu tun was sie sagte. Aus diesem Grunde spurten Mutter und Tochter auch. Sie grinsten sich an, umarmten sich und gingen ins Esszimmer, in dem schon der Rest der Familie auf sie wartete.

Das Essen lief ereignislos ab. Alle schwiegen. Das war eine alte Finelli-Regel: Während gegessen wird, wird nicht geredet. Erst wenn letzte Familienmitglied Messer und Gabel beiseite legt, wird sich über das Tagesgeschehen ausgetauscht.
Jan erzählte, wie fast jeden Abend, dass er im Internet gute Rezepte gefunden hat, mit denen er neue Weinsorten ausprobieren wolle. Dieses Mal würde es ein Kassenschlager, davon war er überzeugt. Keiner hörte ihm bei seinen Ideen zu. Außer Vega, sie war hin und weg. Marcello unterbrach Jans Ausführungen „Mutter? Kannst du mir bis morgen 150 Euro leihen? Ich will nachher noch in die Kneipe am Burgwall und hab meine Geldkarte bei Trixi vergessen.“ – „Du meinst Melanie!“ berichtigte ihn Jan. „Sie heißt Natalja.“ beendete Martha die Namenssuche der Freundin Nummer Sieben. Sarah war direkt wieder genervt „Vergiss es. Du hast mir die 200 Euro von letztem Monat noch nicht zurückgegeben. So wirst du das Unternehmen nie erben. Lerne doch bitte mit deinem Geld umzugehen“ Sarah stand wutentbrannt auf und verließ türknallend das große Esszimmer. Marcello wurde auch wütend und schrie Jan an „Das ist alles deine Schuld! Seitdem du hier bist, leiht mir Mutter keinen Cent mehr. ‚Du darfst deinen Sohn nicht so verwöhnen, so kann er doch nie dein Geschäft führen’“ äffte Marcello seinen Schwager nach. „Du hast einmal zuviel gefragt, Kleiner!“ – „Du bringst Unglück in die Familie. Du willst nur das Erbe meiner Schwester. Da hast du dich aber ordentlich geschnitten. Sie will das Unternehmen nämlich nicht!“ konterte Marcello und verschränkte die Arme wie ein bockiges Kind. Jan schaute Vega verwirrt an. Sie winkte ab „Darüber reden wir morgen, Schatz. Ich muss gleich los zur Mirjam und komme morgen früh wieder. Ich wünsche euch eine schöne Nacht.“ Vega stand auf und verließ das Esszimmer. Marcello und Jan tauschten hasserfüllte Blicke aus. Martha klatschte in die Hände „So Jungs, es reicht jetzt mit euren Kindereien. Marcello, komm bitte nochmal in die Küche bevor du zur Kneipe runter gehst. Jan, ich wünsche dir eine gute Nacht. Und jetzt los mit euch, ich muss hier klar Schiff machen.“ – Ja, Martha. Ich komme in einer halben Stunde runter.“ Dem jungen Finelli sah man an, dass er mit der ganzen Situation überfordert war. Er ging und warf noch einmal einen scharfen Blick auf Jan, bevor er den Raum verließ. „Martha, das ist doch alles nicht fair! Wieso will Vega das Erbe nicht? Ich kann doch für sie das Unternehmen führen und sie kann weiter Lehrerin sein. Wir sind doch verheiratet.“ verzweifelt schaute Jan zu Boden. Martha lächelte ihn an „Das klärt ihr alles morgen in Ruhe, aber jetzt geh bitte, ich muss abräumen und das Essen für morgen vorbereiten.“ Jan stand wortlos auf und starrte weiter auf dem Boden. Während er den Raum verließ, tippte er auf seinem Handy herum und verschwand in das ehemalige Arbeitszimmer des verstorbenen Voreigentümers.

Martha schüttelte den Kopf. Sie hat ja schon eine Menge mit dieser Familie durchgestanden, auch das werden sie schaffen. Schließlich sind es noch ein paar Jahre bis Vega in Rente geht. Und sie ist ja auch noch da. Wir kriegen das Schiff schon geschaukelt, dachte sich Martha und begann den Tisch abzuräumen.

Die Nacht zog über die Berge. Die letzten Sonnestrahlen kitzelten die Weinreben. Es war windstill und die Nacht sollte sternenklar bleiben. Während sich Sarah und Jan bettfertig machten, schufftete Martha noch in der Küche. Marcello war längst in der Kneipe. Vega saß bei ihrer Freundin Mirjam auf der Terasse und trank Wein.

Der Morgen kam so still, wie die Nacht endete. Der Weinberg war in Nebel gehüllt. Es war ein friedlicher Märzmorgen. Die Schafe des Nachbarn blökten. Von weit weg hörte man das Schnauben auf den Pferdekoppeln. Ein schwarzer Mercedes fuhr die Straße hoch und parkte vor dem Anwesen der Finellis. Vega stieg aus und sah ein wenig erholter aus, im Gegensatz zum Vortag. Sie traf sich regelmäßig mit ihrer Freundin im Tal. Ein Abend reichte ihr um ein klitzekleines Gefühl von Urlaub zu erhaschen. Sie konnte einen Abend lang den Ärger und die Diskussionen mit ihrer Mutter vergessen. Auch an diesem Morgen dachte sie nicht dran. Leichten Schrittes schwebte sie durch den Hausflur, hinauf in das eheliche Schlafzimmer. Leise öffnete sie die Tür. Sie wusste wie verärgert er werden konnte, wenn man ihn weckte. Ihr flog ein Lächeln durchs Gesicht, als sie an ein Zitat ihrer Lieblingsserie dachte: Wecke nicht den Drachen.

Langsam schob sie die Tür auf, schaute in das Schlafzimmer und blieb wie erstarrt stehen. Vor ihr lag Jan am Boden, mit weit aufgerissenen Augen und einer Blutlache auf Höhe seines lädierten Kopfes. Sie drehte sich um und schloss dir Tür. Das ist nur ein Traum, nur ein Traum sagte sie sich. Sie öffnete die Tür nochmals in der Hoffnung, dass ihre Fantasie ihr nur einen Streich spielte. „Nein, kein Traum“ flüsterte sie. Sie warf sich zu Jan auf dem Boden und begann ihn zu schütteln: „Jan, jetzt verarsch mich nicht. Jan!“ Kein Zucken. Die Augen blieben starr zur Decke gerichtet. Vega flossen die Tränen wie ein Wasserfall von den Wangen. Sie wollte nicht wahrhaben, was gerade hier geschah. „Nein. Nein. Nein…“ wiederholte sie ständig, während sie vergeblich den Puls ihres Mannes suchte. Sie warf sich auf ihn und weinte. Minutenlang krallte sie sich am Hemd ihres Mannes fest, welches er gestern Abend noch trug. „Was mach ich jetzt? Was ist passiert?“ schluchzte sie kaum hörbar während sie sich an den toten Körper ihres Mannes festhielt.

Sie war geschockt, konnte nicht klar denken. Das Einzige was ihr in diesem Moment einfiel war „Mutter! Mutter muss helfen, Mutter muss ihren Freund anrufen. Ja. So machen wir das. Jan, bleib liegen. Ich hole Hilfe!“ Beim Rausrennen aus dem Schlafzimmer fiel ihr auf, was sie da eigentlich redete. Kurz wurde ihr schwummrig und hielt sich an der Tür fest. Sie schaute zu ihren Händen runter. Alles war voller Blut, ihre Hände, die Tür und ihr Kleid. „Scheiße!“ rief sie laut und lief in das Dachgeschoss und klopfte an der Tür der Mutter.

„Mutter! Bist du wach? Mutter?“ rief sie verzweifelt unter Tränen. Die Tür öffnete sich und Vega schaute ihre weinende Tochter mit müden Augen an „Was ist denn los?“ – „Es ist Jan.. ich glaube er ist tot!“ Die Augen der Mutter weiteten sich und sie war mit einem Schlag hellwach. „Wie? Was? Wie bitte?“ – „Ja ich weiß nicht, er liegt da in unserem Zimmer und alles ist voll mit Blut“ Vega streckte die Arme aus und zeigte auf sich herab. Ihre langen braunen Haare, ihr schneeweißes Kleid, ihre Hände. Alles war blutrot. Sarah atmete tief durch „Ganz ruhig Kleine. Ich schau mal nach, vielleicht scherzt er ja nur.“ Sarah nahm ihre Tochter an die Hand und beide gingen zum Schlafzimmer des Ehepaares. Die Tür am Ende des Korridors öffnete sich und Marcello rief verschlafen den beiden zu „Hey, was ist denn hier los? Kann man nicht mal in Ruhe seinen Kater ausschlafen?“ – „Leg dich wieder hin, Marci!“ bellte Sarah ihrem Sohn zu und ging mit Vega im Arm weiter. Marcello verdrehte die Augen und schloss die Tür von innen „Weiber!“ rief er noch gut hörbar durch die Tür. Sie konnte jetzt nicht gebrauchen das ihr Sohn die Pferde noch wilder macht. Sie musste sich erstmal selbst vergewissern was hier los war. An der Tür angekommen, setzte sich Vega auf dem Boden mit dem Rücken zur Wand. Sie ignorierte den Sessel am Fenster und hielt sich die Augen zu. Sie hörte nicht auf zu weinen. Ihre Mutter schaute in das Schlafzimmer rein. Weiß wie eine Wand kam sie wieder aus dem Schlafzimmer und schloss die Tür. Sie beugte sich zu Vega runter und streichelte den Teil ihres Kopfes der nicht komplett mit Blut besudelt war „Bleib hier sitzen mein Kind. Ich gehe zu Martha in die Küche. Sie muss die Tür bewachen. Niemand darf in das Zimmer. Auch du nicht. Ist das klar meine Kleine?“ – „Ja Mutter.“ Vega dachte nicht eine Sekunde darüber nach noch einmal in dieses Zimmer zu gehen. Sie fiel zur Seite und lag weinend auf dem Boden.

Kurz darauf kam Sarah mit der, schon mit Mehl bedeckten, Martha wieder. Wie ein richtiger Türsteher vom Kiez stellte sie sich wortlos vor die Tür, ohne auch nur mal einen Blick zu riskieren. Den einzigen Blick den sie riskierte, war der zu Vega, die inzwischen wie paralysiert durch den mit Jugendstil-Möbeln dekorierten Flur starrte. Martha verzog kein bisschen das Gesicht, sie verbarg jegliche Emotion. Das war der Befehl der ihr erteilt worden war.

Währenddessen holte Sarah ihr Mobiltelefon. „Rufen Sie die Polizei, Frau Finelli?“ wollte Martha wissen, „Sozusagen. Ich rufe Sebastian an!“ – „Das ist gut Frau Finelli. Sebastian kann gut helfen.“


Danke für die Aufmerksamkeit,

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PS: Kapitel 2 folgt gleich, nach kurzer Korrektur 🙂

11 Kommentare zu „Mord auf dem Weinberg. Kapitel 1 // #Monatsaufgabe Oktober

    1. Vielen Dank, liebe Rina! Ich hoffe die folgenden Teile gefallen dir auch 🙂 Ich lese morgen deinen letzten Teil durch, hab es bisher leider noch nicht geschafft 😦
      Liebste Grüße

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      1. Darauf hatte ich mich auch so gefreut! Wie geht jemand mit dem doofen Jan um oder der herzensguten Martha? Darauf hatte ich mich schon sehr gefreut 🙂

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  1. Ich finde die Geschichte richtig mitreißend! Vor allem kann man sich richtig in die Szenerie versetzen aufgrund der Beschreibung der Umgebung. Und momentan könnten noch alle die Mörder sein, ich bin gespannt.

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