„Lieber Freund, was für ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzen, mehr Omelette als Mensch.“ Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) an Heinrich Köselitz, 30.07.1887

Werter Herr Nietzsche,

vielen Dank um die Sorge um den jungen Herrn Köselitz. Ich muss Ihnen mitteilen, dass unser junger Freund tatsächlich mehr einem Omelette ähnelte, als einem Mensch. Die Hitze dieser Tage brachte so manchen Menschen um dem Verstand.

Neulich erst trug meine jüngste Tochter, Sie werden sich an Lisbeth erinnern, ein Blech mit Keksteig in die Pferdekutsche um diese wohlriechende Süßigkeit bei der werten Großmama backen zu lassen (Uns war leider die Kohle ausgegangen). Lisbeth war außer sich, als sie am Abend wieder das Heim betrat. Denn schon während der Fahrt waren die Kekse fertig. Ich gestehe ein, dass ich fast an Hexerei glaubte, jedoch haben wir vor wenigen Wochen die letzte Hexe verbrannt, das konnte also nicht sein. Die Hitze tat offenkundig ihr übriges mit dem köstlichen Teig.

Apropos Teig. Es mag Sie wundern, das ich Sie kontaktiere, statt des jungen Köselitz. Wir anfangs erwähnt sind Ihre Befürchtungen eingetroffen und er wurde zu einem appetitlich riechendem Omelette. Doch seien Sie beruhigt. Meine werte Frau Gemahlin drapierte ihn mit magerem Quark und eine Prise vertrockneten Schnittlauch. Es war ein festliches Mahl.

Seien Sie nicht erzürnt, weil wir Sie nicht einluden. Mr. Twain hat offenbar sieben Mägen!

Gerne laden wir Sie hiermit zu unserem nächsten festlichem Diner ein.

Ich erfuhr vor kurzem das der Herr Freiherr von Liliencron eine kleine Auseinandersetzung mit Herrn Theodor Storm hatte. Scheinbar hielt der gute Mann die Gedichte seines 5 jährigen Heinrich’s für talentierter als die des Freiherrn. Es gibt wohl bald wieder ein Duell. Ich hoffe der Freiherr gewinnt, Adelige sind zarter. Hab ich gehört.

Ich freue mich auf eine Antwort von Ihnen.

Ihr Alucard Utarefson


Das #ZDW (Zitat der Woche) gehört zu meinen regelmäßigen Schreibübungen. Die Schreibübungen sind noch sehr rar, ich fülle sie aber nach und nach mit neuen Übungen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit,

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5 Kommentare zu „Ein außergewöhnlicher Brief an Nietzsche // #ZDW KW30

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