Es ist Zeit für den #WritingFriday von der lieben Elizzy. Auf heute habe ich mich sehr gefreut, da ich mal was anderes ausprobiert habe. Ich freue mich über konstruktive Kritik!

Die Regeln für dieses Projekt lauten wie folgt:
– Jeden Freitag wird veröffentlicht
– Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
– Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal. Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
– Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
– Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
– Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Ich habe mich für folgende Vorgabe entschieden:
Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Erkonnte tatsächlich fliegen“ endet.


 

Roger

„Okay, und Sie bleiben dabei, dass Sie denken, dass Sie fliegen können?“ fragte Dr. Schulte. Patrick schaute ihm tief in die Augen „Ja natürlich! Roger hat es gesagt!“. Dr. Schulte schüttelte den Kopf und notierte ‚Patient ist immer noch nicht kooperationsbereit‘. „Doktor! Er hat es gesagt! Roger hat immer Recht! Wieso glauben Sie mir denn nicht?!“ rief er verzweifelt. Der junge Mann schlug seinen Kopf in die Hände und wippte langsam vor und zurück. Der Arzt sah ihn an, ließ ihn machen. Er wusste genau, dass es jetzt nichts bringt etwas zu sagen. Das macht seinen Patienten nur noch verwirrter. Patrick hob seinen Kopf und schaute Dr. Schulte an: „Er hat immer Recht. Sie wissen doch… meine Freu… Ex-Freundin. Roger wusste genau, dass Sie mir fremd geht! Er wusste es…“ „Aber Patrick…“ unterbrach er ihn mit ruhiger Stimme, wartete kurz bis er die Aufmerksamkeit des Jungen erhielt „… Ihr Unterbewusstsein wusste, dass sie Ihnen fremd geht. Sie haben die Zeichen selber gesehen.“ Patrick stand auf und gestikulierte stark mit den Armen „NEIN!“ rief er. „Ich wusste es erst, als Roger es mir sagte. Er wies mich darauf hin, dass ich in ihrer Hose gucken sollte, weil dort eine leere Kondomverpackung drin war! Wieso glauben Sie mir denn nicht?“ Er ging weiter, wie ein Tiger im Käfig, hin und her. „Patrick, wie war das mit Ihrer Mutter?“

Fassungslos schaute er seinen Psychiater an „Was soll gewesen sein? Roger hat mir gesagt, dass meine Mutter einen Unfall haben wird! Und er hatte Recht…“.
„Sie haben die Bremsen manipuliert.“
„Nein, das stimmt nicht! Das wollen die mir nur anhängen!“
„Es gibt ein Video auf dem SIE zu sehen sind, wie SIE an den Bremsen Ihrer Mutter herumbasteln. Sie können von Glück reden, dass nicht viel passiert ist.“
„Aber ich war das nicht! Wirklich nicht… Ich… Ich habe doch geschlafen.“ sagte Patrick ruhig.
„Und genau deshalb sind Sie hier!“
Dr. Schulte beendete das Gespräch. Er drückte einen Knopf auf seinem Schreibtisch und die Tür ging auf. Ein großer stämmiger Pfleger kam herein. Der Arzt und der Pfleger nickten sich zu: „Du kannst ihn wieder in sein Zimmer bringen, Charles!“ – „Ja, Doktor.“

Charles nahm Patrick an den Arm und führte ihn aus dem Besprechungszimmer raus. Raus in den langen Flur mit den 30 Türen der geschlossenen psychiatrischen Abteilung der ‚Klippenkliniken‘. Die letzte Tür auf der linken Seite ist seine. Charles lächelte Patrick an und ließ ihn in sein Zimmer. Schloss ab und verschwand. Der junge Mann fuhr sich durch seine langen gewellten Haaren. Die er unbedingt mal wieder waschen musste, das wusste er selbst. Er sah sich in seinem Zimmer um. Ein Bett, ein Schreibtisch, dreißig Bücher und Gitter vor dem Fenster. Alle hatte Patrick bereits gelesen.
Seine Mutter brachte ihm jeden Monat zum Familientag drei neue Bücher mit. Sie wählte immer die besten Si-Fi-Romane aus. Sie wusste, dass ihr Sohn am liebsten dieses Genre las. Es wird Zeit das sie wieder kommt. Er vermisste sie sehr.
Patrick wühlte in seiner Schreibtischschublade nach einem Haargummi und band sich die Haare zusammen.
Ein anderer Pfleger schloss die Tür auf und kam mit einem Tablett mit Essen und Medikamenten herein. Die Medikamente musste er direkt vor seinen Augen nehmen. Da er immer sehr brav war beim Einnehmen seiner Pillen, kontrolliert der Pfleger nicht mehr, ob er diese noch genommen hat. Er nickte Patrick freundlich zu und verließ das Zimmer.

Hey Kumpel!“ hörte Patrick eine rauchige und ihm sehr bekannte Stimme. „Roger!“ er fühlte direkt wie die Anspannung ihn losließ. “Endlich hast du es geschnallt. Nimm bloß nicht mehr diese Teufelspillen. Die wollen uns beide nur trennen.“ –  „Ich bin doch nicht bescheuert! Ich habe doch nur noch dich. Sonst wäre ich längst durchgedreht!“ „Pass auf! Dieser Idiot hat die Tür aufgelassen!“
Patrick schaute zur Tür und riss vor Staunen die Augen auf, „Du hast Recht! Wie immer. Du bist der Beste!“ er lachte, „Was machen wir jetzt damit?“ –  „Abhauen, Digger! Was sonst!“ grinste Roger. „Pass auf, Pat, ich sag dir genau wie wir hier rauskommen. Du darfst aber nicht reden, sonst fällst du auf. Mich können diese Narren ja nicht hören. Ich sag dir genau wo es lang geht und du folgst einfach dem was ich sage. Ist das klar, Bürschchen?“ Patrick nickte heftig und stellte fest, dass er sich lange nicht mehr so freute wie genau in diesem Augenblick. „Wir warten jetzt ab, bis es dunkel wird. Sind vielleicht noch 2 Stunden. Müssen halt nur hoffen, dass keiner dieser Käfigmeister mitkrieg, das einer von ihnen Scheiße gebaut hat.“ – „Geht klar…“ Patrick schaute sich in seinem Zimmer mit und überlegt ob er irgendwas einpacken sollte. Stellte jedoch fest das er besser keinen unnnötigen Ballast mitnehmen sollte. Er legte sich auf sein knarrendes Bett und starrte die Wand an.

„Es kann losgehen, Pat!“ – „Warte!“ – „Was?“ – „Zeigst du mir auch wie ich fliegen kann? Du hast es versprochen! Du hast gesagt ich kann das…“ fragte Patrick etwas ängstlich. „Na Sichi, mein Freund! Aber erstmal müssen wir hier raus! Zum Leuchtturm. Da hab‘ ich das letzte Mal, einen Rucksack versteckt. Für den Fall der Fälle, du weißt ja!“- „Wann?“ – „Bei deinem letzten Mittagsschläfchen.“ – „Du bist genial!“ – „Jap. Das bin ich!“

Roger führte Patrick sicher raus aus der Abteilung. Sagte ihm, wann er sich zu verstecken hatte und wann er wo lang musste. Die überarbeiteten Pfleger haben nichts mitbekommen. Sie waren nur mit sich und ihrer Arbeit beschäftigt. Als eine Pflegerin dann die elektronische Tür öffnete und die Treppen nach oben lief huschte Patrick schnell durch. Es war knapp. Beinahe hätte er die Tür berührt und das hätte einen Alarm ausgelöst.
Nach 20 Minuten ist Patrick am Leuchtturm angekommen. Er traute sich immer noch nicht zu reden. Er hörte nur die ganze Zeit Roger singen, Freedom von Robbie Williams. Er musste sich das Lachen verkneifen.
So du musst die Tür aufmachen. Ich hab gesehen, dass letztens der Hausmeister den Schlüssel neben der Tanne auf der anderen Seite des Turmes versteckt hat.“
Patrick fand den Schlüssel. Und stieg schnell den Leuchtturm rauf. Nun fühlte er sich frei. „Roger, vielen Dank! Du bist ein echter Freund.“ – „Und dein einziger!“ – „Wer will denn auch mit einem Freak wie mir befreundet sein!“ – „Keine Ahnung, Pat.“ – „Zeigst du mir jetzt wie man fliegt?“ – „Nein, noch nicht, wir müssen erstmal hier… stopp was machst du da??“
Patrick hat sich an der Reling des Außenbereiches des Turmes gestellt. Er hörte der Brandung zu. Hörte einzelne Möwen die noch keine Nachtruhe gefunden haben. So frei fühlte er sich noch nie. „Bürschchen, komm jetzt nicht auf dumme Ideen! Ohne dich komme ich hier auch nicht weg!“ drohte ihm Roger. „Es ist alles gut, Roger. Wir sind frei!“
Patrick öffnete die Arme so weit, dass er das Gefühl bekam ihm würden Flügel wachsen. Er schloss die Augen.

Pat! NEIN!!!!!“
Er ließ sich fallen.

„Danke Roger.“

Er konnte tatsächlich fliegen.

 

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit,
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21 Kommentare zu „#WritingFriday // „Roger“

  1. Liebe Annie, faszinierend was du aus dieser Aufgabe gemacht hast. Mir lief es tatsächlich kalt den Rücken runter und ich war entsetzt, dass Patrick tatsächlich sprang… Auf jeden Fall konntest du mich fesseln!
    Hab ein tolles Wochenende!

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank! Ich freue mich sehr das mein Beitrag dich fesseln konnte ^^ Ich wollte mal was Neues ausprobieren, da ich ja meistens eher etwas mit lustigem Ende schreibe. Ich wünsche dir auch ein tolles Wochenende!

      Gefällt 1 Person

  2. Hey Annie,
    Deine Story ist super spannend. Ich musste mich bremsen keine Zeilen zu überspringen. Allerdings auch sehr traurig, wenn man bedenkt, dass das durchaus eine reale Geschichte sein könnte. Hat mir sehr gut gefallen.
    Grüße, Katharina.

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    1. Vielen Dank für das Kompliment, Katharina! Ja leider kann das aus schnell Realität werden. Ich habe vor ein paar Jahren eine Zeit in der Psychiatrie gearbeitet und kann daher aus Erfahrung sagen, das Roger durchaus Real ist, er trägt nur immerwieder verschiedene Namen. Ich freue mich sehr, das es dir gefallen hat! Liebste Grüße, Annie

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  3. Hey Annie,
    auch mir hat deine Geschichte sehr gut gefallen! Gute Idee, sie in der Psychiatrie spielen zu lassen. Auf die Idee muss man erstmal kommen. Da hat dir dein beruflicher Background geholfen.
    Am Ende wünschte ich mir ja doch sehr, dass Roger ein kleiner Alien-Wurm in Pats Kopf ist, den es tatsächlich gibt und den sich Pat nicht nur ausgedacht hat. Ich hatte gehofft, dass er sich im Leuchtturm offenbart, aus ihm herausschlüpft und ihn zu einem entfernten Planeten fliegend mitnimmt! Das wäre DAS Erlebnis für den Sci-Fi-Fan Patrick gewesen.
    Aber es kann ja nicht immer ein Happy End geben.
    Hab ein schönes Wochenende,
    glG, monerl

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    1. Danke, monerl, für deinen lieben Kommentar! Die Geschichte mit Roger hat vielleicht noch kein Ende, ich habe überlegt vielleicht die Sache weiter zu spinnen. Ich bin mir aber noch nicht Sicher, deine Idee mit dem Alien finde ich sehr interessant! Mal sehen was noch passiert! Liebste Grüße, Annie

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  4. Eine gute Umsetzung. Damit hat Roger nun wirklich nicht gerechnet – dumm, da ist er jetzt gefangen. Eine Fortsetzung wäre bestimmt spannend – die kommt Roger da jetzt raus. Sehr gute Idee.

    LG

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    1. Dankeschön Rina 🙂 Ich habe tatsächlich schon an eine Art Fortsetzung gedacht, da es tatsächlich schon jemand sozusagen wünschte. Ich bin mir aber noch nicht sicher wie ich das aufbauen soll. Steht aber auf der Liste 🙂 Liebe Grüße

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  5. Uih … was für eine Geschichte. Ich hab das Ende ja irgendwie geahnt, nur, dass Roger dann tatsächlich entsetzt war, als Patrick springt, hab ich so nicht kommen sehen. Das hat mich dann ins Grübeln gebracht, ob Roger denn tatsächlich real war.
    Eine beklemmende Geschichte mit einem tollen Setting.
    Ein wenig rausgekommen bin ich zeitweise wegen deinem Tempuswechsel (Vergangenheits- und Gegenwartsform) innerhalb der Geschichte, wenn du das angleichst, wird es noch besser.
    Beste Grüße
    Daniela
    Meinen Beitrag findest du hier.

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    1. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!
      Zu deiner Kritik: Der Tempuswechsel. Ja ich hab das jetzt auch festgestellt das ich da hin und wieder nicht ganz die Linie behalten habe. Werde diese Geschichte aber jetzt nicht anpassen, da ich zu meinen Fehlern stehe 😀 Ich bedanke mich aber sehr, das du mich darauf hingewiesen hast, da bist du tatsächlich die erste 🙂 Ich werde beim nächsten mal mehr darauf achten! vielen Dank!

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